Der direkte Vergleich
| Merkmal | Kündigung (Auszahlung) | Verkauf (Zweitmarkt) |
| Auszahlungsbetrag | Nur der aktuelle Rückkaufswert. | Meist 1,5 % bis 4 % mehr als der Rückkaufswert. |
| Geschwindigkeit | Relativ schnell (ca. 2–4 Wochen). | Etwas langsamer (ca. 3–8 Wochen wegen Prüfung). |
| Todesfallschutz | Erlischt sofort und komplett. | Bleibt oft in reduzierter Form bestehen. |
| Steuern | Ggf. Abgeltungsteuer auf Gewinne (je nach Jahr). | Ähnlich wie Kündigung, hängt vom Abschlussdatum ab. |
| Mindestwert | Keine Grenze (auch Kleinstbeträge). | Meist erst ab 5.000 € oder 10.000 € Rückkaufswert. |
Wann lohnt sich was?
1. Verkauf am Zweitmarkt (Die renditestarke Option)
Anbieter am Zweitmarkt kaufen deine Police, führen sie weiter und erhalten am Ende die volle Ablaufleistung. Einen Teil dieses Profits geben sie als Bonus an dich weiter.
- Vorteil: Du bekommst mehr Geld als von der Versicherung selbst.
- Vorteil: Ein Rest-Todesfallschutz für deine Angehörigen bleibt oft beitragsfrei erhalten.
- Voraussetzung: Oft nur für klassische (nicht fondsgebundene) Policen mit einer gewissen Restlaufzeit und Mindestwert.
2. Kündigung (Der Notausgang)
Du forderst die Versicherung auf, den Vertrag aufzulösen.
- Wann sinnvoll? Wenn der Rückkaufswert sehr niedrig ist (unter 5.000 €) oder es sich um eine fondsgebundene Versicherung handelt, die viele Zweitmarkt-Anbieter ablehnen.
- Nachteil: Du verlierst die Abschlusskosten und oft auch die Schlussüberschussanteile. Es ist fast immer die teuerste Art, den Vertrag zu beenden.
Wichtige Checkliste vor der Entscheidung
- Steuerpflicht prüfen:
- Vor 2005 abgeschlossen: Nach 12 Jahren Laufzeit oft komplett steuerfrei (wenn 5 Jahre Beiträge gezahlt wurden).
- Ab 2005 abgeschlossen: Gewinne müssen versteuert werden (Halbeinkünfteverfahren möglich, wenn über 12 Jahre Laufzeit und Auszahlung nach dem 62. Lebensjahr).
- Alternativen prüfen:
- Beitragsfreistellung: Wenn du nur die monatliche Belastung stoppen willst, aber das Geld nicht sofort brauchst. Der Vertrag verzinst sich weiter.
- Policendarlehen: Wenn du kurzfristig Liquidität brauchst, den Vertrag aber behalten willst. Du leihst dir Geld von deiner eigenen Versicherung.
- Widerruf (“Widerrufsjoker”): Bei vielen Verträgen (ca. 1994 bis 2007) waren die Widerrufsbelehrungen fehlerhaft. Ein erfolgreicher Widerruf kann deutlich mehr Geld bringen als Verkauf oder Kündigung, da du alle Gebühren zurückerhältst.
Seriöse Anbieter finden
Wenn du verkaufen möchtest, achte darauf, dass der Anbieter Mitglied im BVZL (Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen) ist. Bekannte Namen sind beispielsweise Policen Direkt oder Winninger.
Tipp: Hol dir immer erst den aktuellen Nachtrag zum Rückkaufswert bei deiner Versicherung ein. Mit diesem Wert kannst du bei Zweitmarkt-Anbietern unverbindliche Angebote anfordern.
Die versteckten Fallen bei der Kündigung
Viele Versicherungsnehmer unterschätzen, wie viel Geld bei einer einfachen Kündigung verloren geht.
- Verlust des Schlussüberschusses: Die Versicherung zahlt bei Kündigung oft nur den garantierten Rückkaufswert aus. Die sogenannten Schlussüberschussanteile, die erst am Ende der Laufzeit fällig würden, entfallen meist komplett.
- Stornogebühren: Manche ältere Verträge beinhalten hohe Abzüge für die vorzeitige Auflösung, die direkt vom Auszahlungsbetrag abgezogen werden.
- Wiederanlagerisiko: Wer kündigt, um das Geld neu zu investieren, muss erst einmal die Verluste der Kündigung durch die neue Rendite wieder hereinholen.
Wann der Verkauf die einzige logische Wahl ist
Ein Verkauf am Zweitmarkt ist besonders in diesen Szenarien die überlegene Strategie:
- Liquiditätsengpass bei gleichzeitigem Absicherungswunsch: Wenn du dringend Geld benötigst, aber deine Familie trotzdem für den Ernstfall (Todesfall) abgesichert wissen willst. Beim Verkauf bleibt ein beitragsfreier Rest-Todesfallschutz oft bestehen.
- Altverträge mit hohem Garantiezins: Verträge aus den 90ern oder frühen 2000ern haben oft Garantiezinsen von 3,25 % oder 4 %. Diese sind am Zweitmarkt heiß begehrt, weshalb Käufer hier deutlich höhere Aufschläge zahlen.
- Vermeidung von Bürokratie: Professionelle Aufkäufer übernehmen oft die gesamte Abwicklung mit der Versicherungsgesellschaft, was dir Zeit und Nerven spart.
Schritt-für-Schritt: So gehst du vor
Um das beste Ergebnis zu erzielen, solltest du diese Reihenfolge einhalten:
- Schritt 1: Fordere bei deinem Versicherer den aktuellen Rückkaufswert inklusive aller Überschussanteile schriftlich an.
- Schritt 2: Lass prüfen, ob ein Widerruf möglich ist (dies kann oft das Doppelte der Kündigungssumme einbringen).
- Schritt 3: Hol dir Angebote von mindestens zwei Zweitmarkt-Anbietern ein.
- Schritt 4: Vergleiche die Angebote mit dem Rückkaufswert deiner Versicherung.
- Schritt 5: Prüfe die steuerlichen Konsequenzen (ggf. Steuerberater hinzuziehen), bevor du unterschreibst.

